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100 Jahre Frauenwahlrecht - Was hat das mit Erzieher*innen zu tun

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Ich als Frau bin sehr froh, dass Frauen seit 1918 in Deutschland wählen dürfen. Ich weiß auch, wie lange und hart Frauen dafür gekämpft haben, um endlich dieses Recht zu bekommen; das ist mit ein Grund, warum ich persönlich jedes Mal wählen gehe und dieses hart erkämpfte Privileg nutze.

Natürlich gab es noch einige andere Entwicklungen im 20. Jahrhundert, deren ultimatives Ziel eine Gleichstellung der Frau gegenüber dem Mann gewährleisten sollte und meiner Meinung nach hat diese Entwicklung ihr Ziel auch jetzt noch nicht erreicht, wenn man sich beispielsweise die Gehaltsunterschiede bei Frauen und Männern heutzutage anschaut, allerdings möchte ich an dieser Stelle auf etwas anderes hinaus. Dass die Emanzipation der Frau positiv für Frauen ist, denke ich, erklärt sich von selbst, was ist aber mit der anderen Hälfte unserer Bevölkerung? Haben Männer eigentlich auch etwas davon, dass Frauen ihnen heutzutage praktisch gleichgestellt sind?

Meiner Meinung nach, definitiv ja!

Nicht nur Frauen können frei entscheiden, ob sie arbeiten und welchen Beruf sie ergreifen wollen, können Geld verdienen, Elternzeit nehmen und sich um ihre Kinder kümmern, Männer können das jetzt auch! Sie müssen nicht mehr die unerschütterlichen Brötchenverdiener der Familie sein, die abends erschöpft nach Hause kommen und dann noch die Kinder für das bestrafen müssen, was sie tagsüber angestellt haben, sie müssen nicht mehr allein die finanzielle Verantwortung für die Familie tragen, alle Entscheidungen treffen, nur Berufe ausüben, die dem männlichen Stereotyp entsprechen, sie können genauso frei wählen wie Frauen auch! 

Dem Frauenwahlrecht und allen damit einhergehenden Entwicklungen haben wir es zu verdanken, dass heute Männer mit uns die Ausbildung zum Erzieher machen können oder sich im Bereich Alten- und Krankenpflege ausbilden lassen. Das wäre vor 100 Jahren, als das Wahlrecht für Frauen in die Verfassung aufgenommen wurde, niemals denkbar gewesen! 

Ich bin wirklich froh, dass sich unsere Gesellschaft im letzten Jahrhundert so viel weiterentwickelt hat, möchte abschließend aber nochmal zu bedenken geben, auch hier ist die Entwicklung noch nicht am Ziel. Als es darum ging, sich Stellen für das Blockpraktikum zu suchen, schlossen alle meiner männlichen Mitschüler von vornherein die Stellen in Krippen aus. 

Warum? Nicht etwa, weil die Kinder ihnen zu jung seien oder sie da dreckige Windeln wechseln müssten, nein. Da stehe man als Mann ja ohnehin permanent unter Generalverdacht, da würden sie nicht arbeiten wollen.

Nicht nur Frauen sind auch heute noch damit beschäftigt, alte Stigmata loszuwerden, auch Männer haben diesbezüglich noch einen weiten Weg vor sich und für diesen Weg wünsche ich uns allen, der ganzen Gesellschaft, viel Erfolg, ich zumindest glaube an uns.

Seraphina Kreße, 12.11.2018