Musik aus der Kiste: leimen- raspeln- schleifen- spielen

Projekt Cajonbau im 2. Kurs

Musik aus der Kiste:   leimen- raspeln- schleifen- spielen

  Die meisten der bei uns heute gespielten Instrumente sind komplex zu lernen, brauchen viel Übung und die Fähigkeit, Noten lesen zu können. Manchmal sind sie zudem teuer, benötigen stabile Koffer zum Transportschutz  oder ordentlich Muskelkraft beim Tragen.  All das trifft auf die Cajon nicht zu. 

Die Cajon, eine ursprünglich von Nachfahren afrikanischer Sklaven in Südamerika erdachte „Schlagzeugkiste“  ist ein Rhythmusallrounder, die ein kleines Drumset annähernd ersetzen kann.

Der Name „Cajon“ bedeutet „Schublade“ oder einfach „Kiste“.

Auf die traurige Zeit des Sklavenhandels und das Musizierverbot für die Arbeiter auf südamerikanischen Zuckerrohrplantagen zurückgehend, ist die Cajon ein Instrument, das aus einem starken Lebenswillen der Sklaven und einem tiefen Wunsch nach Musik -  trotz aller Verbote -entstanden ist.

Die Befürchtung damaliger Kolonialherren, dass durch lautes Trommeln geheime Botschaften transportiert werden könnten, war wohl nicht ganz unberechtigt. Lautes Singen war jedoch üblich, was das begleitende Spielen auf leeren oder vollen Zuckerrohrkisten ermöglichte, ohne allzu viel Aufsehen zu erregen. So nahm das „Schlagzeugerleben“ der ersten Cajons seinen Anfang.

Cajon-Bau in der Werkstatt

Zum Abschluss ihrer Ausbildung bot sich den Studierenden der 2. Kurse (nach dem Saitenspielbau zu Beginn der Ausbildung) die Möglichkeit, zwei Vormittage mit Instrumentenbau zu verbringen: leimen, raspeln,  schleifen,   um den Werkraum nach einiger Mühe mit einer tollen Trommelkiste zu verlassen!

Das Instrument in Form einer „Holzkiste“ mit innen liegender „Schnarrsaite“ (wie bei der Snaredrum des Drumsets), ermöglicht, darauf sitzend, vielseitige Formen des Musizierens.

Von der Spielweise her sehr variabel zu nutzen, ist es auch für Kinder, Jugendliche und Anfänger im Bereich Percussion ein tolles Instrument, das von Anfang an viel Spaß beim Spielen macht.  Fortgeschrittene haben musikalisch unendliche  Möglichkeiten, damit zu musizieren, die im Schwierigkeitsgrad nach oben offen sind.  

Mitzubringen waren von den Studierenden neben arbeitstauglicher Kleidung vor allem eine große Portion Muskelkraft und genügend Getränke gegen aufkommende Schleifstaubablagerungen im Hals.

Nach 8 Stunden schweißtreibender Arbeit konnten alle 10 Teilnehmer des Instrumentenbauprojekts auf ihrer eigenen  „tollen Kiste“  sitzen und  die erste Session spielen!

stolze Cajon-Bauer*innen

Theresia Hörl, Juni 2017