Erlebnispädagogik

Rückblick auf die "Übungen zur Erlebnispädagogik" im Sommer 2018 - ein Interview mit den Teilnehmer*innen.

Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik – der Name ist Programm. Am verlängerten Wochenende im Mai trafen sich 11 Studierende und ihr Lehrer in einem Camp im Altmühltal, um das Erlebnisfeld „Höhle“ zu ergründen. Erlebnispädagoge Manuel Kurschus und sein Team Saskia und Ben haben uns durch die vier Tage geführt. In einem Vortreffen an der Faks wurden Fahrt, Zelte und Verpflegung sowie die Referatsthemen unter den Teilnehmern organisiert. 

Für alle Beteiligten waren die Übungen zur Erlebnispädagogik, die im Rahmen des Unterrichts im 2. Kurs stattfanden, eine tolle Erfahrung.

Wie liefen die vier Tage denn ab?

Leon: Als wir am Donnerstag am Zeltplatz angekommen sind, mussten wir zuerst unsere Zelte aufbauen. Hier ist schon so mancher an seine Grenzen gestoßen. Aber mit viel Geduld und Teamarbeit ist es uns schließlich gelungen, dass jeder einen Platz zum Schlafen hatte.

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Nach einer anschließenden Vorstellungsrunde machten wir uns gleich auf den Weg zur ersten Höhle.

Es war eng! Man konnte nur hintereinander laufen und die einzige Lichtquelle waren die Kerzen, die wir bei uns trugen. Diese wurden uns aber auch nicht lange gewährt, denn beim Rückweg mussten wir die Kerzen ausmachen. In totaler Finsternis haben wir versucht uns aus der Höhle zu ertasten, bis wir uns schließlich wieder im Freien befanden. 

Abendessen haben wir dann gemeinsam am Lagerfeuer gemacht.

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Benni: Der Freitag begann mit einem leckeren Frühstück, damit wir Kräfte tanken konnten für die heutige zu bewältigende Höhle, das "Silberloch". Zuvor wurden wir bei einem Gruppenspiel vom Team beobachtet und je nach individuellen Kompetenzen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe ging vormittags in die Höhle, während die andere Gruppenspiele spielte und ein bisschen chillen konnte. Nachmittags wurde dann getauscht.

Das Silberloch hatte es ganz schön in sich: Es gab Engstellen, Schächte und Kriechgänge. Man musste sich überwinden und an seine Grenzen gehen, aber das war es wert! Es war eine sehr schöne Erfahrung und hat sehr Spaß gemacht. Am Abend gab es eine leckere Kartoffelsuppe, die wir über dem Lagerfeuer zubereitet haben. 

Halbzeit. Am nächsten Tag konnten Sie ja dann schon von Ihren Erfahrungen profitieren, oder?

Melike: Genau. Am Samstag sind wir in die Klausenhöhle gegangen, die noch etwas schwierigere Passagen hat. Jeder Teilnehmer durfte selber für sich entscheiden, wo ihre/seine Grenzen sind und ob er/sie weitermachen möchte, denn hier gab es richtig heftige Stellen wie z.B. die „Mausefalle“, in die man zwar leicht rein, aber schwer wieder rauskommt.

Am Abend haben wir am Lagerfeuer gegrillt und gemeinsam gequatscht. Mir hat die Höhle an diesem Tag sehr großen Spaß gemacht. Ich habe selber gemerkt, wo meine eigenen Grenzen/Ängste sind und dass ich diese überwinden kann.  

 

Dilara: Am letzten Tag von unserem Erlebnis haben wir uns soweit startklar fertig gemacht und aufgeräumt. Anschließend haben wir die Referate gehalten bzw. angehört. In Zweierteams hatten wir im Vorfeld zu verschiedenen Gebieten der Erlebnispädagogik Referate vorbereitet. Sie dienten auch als Leistungsnachweis für die Note. Nach den Referaten haben wir gemeinsam reflektiert und sind anschließend abgereist.
Mir hat es gut gefallen, durch die Referate einen Einblick in die Theorie der Erlebnispädagogik zu bekommen. Genauso hilfreich fand ich die Reflexion, in der mir nochmal klar wurde, was für Erkenntnisse ich mitnehme. 

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Waren die Unterkunft und die Verpflegung auch ein Erlebnis?

Andi: Das kann man sagen. Unsere Unterbringung war sehr einfach gehalten, wir waren auf einer große Wiese mit einer Feuerstelle. Einen Platz im Zelt mussten wir untereinander organisieren. Neben dem Platz hatten wir ein kleines, aber feines Waschhäuschen mit allen notwendigen Vorrichtungen. Für Essen und Trinken haben wir jeden Tag selbst gesorgt, für das Frühstück, sowie die Lunchpakete gab es frische Semmeln mit Salami, Käse und weiterem, auch wurde einmal Rührei zubereitet. Zusätzlich gab es jeden Abend frisch zubereitetes Essen auf, neben oder in dem Feuer. Ich persönlich war sehr zufrieden mit der Auswahl des Campingplatzes und der Entscheidung, die Verpflegung in die Hände von Studierenden zu geben. 

Svenja: Für die Verpflegung waren wir Studierende zuständig, auch das mussten wir selbst organisieren. Ein paar von uns waren zusammen einkaufen, als sie wieder kamen, hat sich der Rest zusammen getan und wir haben das Essen gemeinsam vorbereitet. Am Abend haben wir zum Beispiel eine kräftige Suppe über dem Lagerfeuer gekocht und gefüllte Tomaten im Lagerfeuer gegrillt. Das gemeinsame Zubereiten und Essen war eine tolle Erfahrung und hat sehr viel Spaß gemacht. 

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Und was haben Sie außerhalb des Programms gemacht? Hatten Sie auch Zeit für sich?

Zoe: Klar. Ich habe mich außerhalb des Programms hauptsächlich in der Sonne oder am Lagerfeuer erholt. Dabei habe ich die angenehme Umgebung genossen und den Tag Revue passieren lassen. 

Wenn man so ein Abenteuer zum ersten Mal mitmacht, ist es sicher auch mit Ängsten und Unsicherheit verbunden. Wie ging es Ihnen damit?

Lisa: Am meisten Angst hatte ich davor, in den Höhlen durch die Enge und Dunkelheit Panik zu bekommen und nicht mehr aus der Höhle heraus zu finden bzw. irgendwo stecken zu bleiben. Zudem hatte ich großen Respekt davor, die "steilen Wände" runter zu klettern bzw. diese Wände (als ich erstmal unten war) wieder hoch zu kommen. Diese Ängste konnte ich überwinden, indem ich es zuerst ausprobiert habe und gemerkt habe, dass Manuel und sein Team einen nicht im Stich lässt und alles dafür tut, dass man heil aus der Höhle kommt. Zudem haben sie uns soviel wie möglich selbst ausprobieren lassen und somit habe ich schnell gemerkt, dass ich viel mehr schaffen kann, als ich zuvor geglaubt hätte. Auch die motivierenden Sprüche und das erfolgreiche Besteigen der ersten Höhle hat meine Ängste genommen. 

Sabrina: Meine größte Angst, die ich in der Zeit hatte, war, dass ich krank werde. Mir ging es ab dem zweiten Tag körperlich nicht sehr gut und ich hatte ziemliche Bedenken, dass ich durch meinen Zustand die letzte Höhlenerfahrung nicht mehr mitbekomme.
Allerdings war ich umso glücklicher, dass ich auch das letzte Stück Abenteuer miterleben konnte.

Was war das beste an den „Übungen zu Erlebnispädagogik“?

Ezra: Das beste an der Übung war aus der Höhle zu kommen und das Gefühl zu bekommen: "Ja, du hast es geschafft!" Also das Erfolgserlebnis, nachdem man seine Grenzen überschritten hat. Obwohl ich während der Übung in der Höhle auch manchmal verzweifelt war, hat sich die Verzweiflung sehr schnell zu Stolz-sein und Glücksgefühle-haben verwandelt, als wir aus der Höhle raus kamen. Und das war das beste und, ja, ich würde sehr gerne die Übung wiederholen und jedem empfehlen es mitzumachen. 

Was würden Sie Ihren Mitstudierenden für nächstes Jahr empfehlen, wenn die Wahl der „Übungen-zu“ ansteht?

Nina: Ich rate auf jedem Fall jedem Mitstudierenden sich für die Übungen zu Erlebnispädagogik anzumelden. Man lernt viele hilfreiche Methoden für die Praxis kennen, aber vor allem lernt man auch sich selbst kennen. In diesen vier Tagen kam so eine Gefühlsmischung aus Zusammenhalt, Respekt, Ehrgeiz, Selbstvertrauen, Vertrauen in andere und vor allen Dingen Stolz zusammen. Diese Erfahrungen, die man dort machen durfte, waren es zu 100% wert, ein Wochenende dafür zu opfern und ich würde es sofort wieder machen! 

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Und wie fanden Sie als Lehrer das Wochenende? 

Herr Rehbinder: Großartig! Lernen findet hier über Selbsterfahrung statt – und was gibt es Schöneres, als wenn Studierende „Zusammenhalt, Respekt, Ehrgeiz, Selbstvertrauen“ und viele weitere persönlichkeitsbildende Werte erfahren und Kompetenzen erweitern, auf die sie in ihrer Ausbildung und später dann im Beruf zurückgreifen können.

Besonders wichtig war mir die Sicherheit für unsere Studierenden. Das erfahrene Team um Manuel Kurschus hat dafür gesorgt, dass wir das Seminar ohne Risiko durchführen konnten. Wir haben uns jederzeit sicher und gut aufgehoben gefühlt und konnten damit an unsere eigenen, individuellen Grenzen gehen (und darüber hinaus). Dafür ein großes Dankeschön! 

Und letztlich hatten wir alle miteinander großen Spaß, sind zu einer tollen Gruppe gewachsen und das wird auch an der FakS noch lange nachwirken. 

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(11.6.2018)